Branche: NGO und Vereine
Ausgangslage
Im Sans-Papiers-Kollektiv Bern treffen sich Personen, die ohne geregelten Aufenthalt in der Region Bern leben. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und sind aus unterschiedlichen Gründen hier. Was sie gemeinsam haben: Das Leben findet in gesellschaftlichen, rechtlichen und emotionalen Zwischenräumen statt. Vieles was für andere selbstverständlich ist, wie sich frei bewegen zu können, ist für sie mit Hürden verbunden. Diese persönlichen Geschichten sollen besser bekannt gemacht werden.
Aufgabe
Die Aufgabe bestand darin, die persönlichen Geschichten in einer ansprechenden Broschüre darzustellen. Die einzelnen Geschichten sollen mit Bildern illustriert werden, allerdings dürfen aufgrund des ungeregelten Status der Personen keine Rückschlüsse auf die erzählenden Personen gezogen werden können. Die namen der Personen wurden deshalb anonymisiert.
Vorgehen
Bei der Bebilderung wurden verschiedene Ideen gemeinsam diskutiert. Schnell war klar, dass keine Personen und auch keine Wohnumgebungen abgebildet werden sollen. Auch die Idee mit Lieblingsorten wurde verworfen, weil es die gelieferten Bilder keine ausreichende Qualität und Eigenständigkeit aufwiesen.
Wir entwickelten zwei abstrakte Bebilderungsideen und suchten in Bilddatenbanken nach gefalteten Papieren und nach Licht-Schatten-Bildern. Die Idee der Licht-Schatten-Bilder setzte sich durch und es konnten ohne grossen Kosten genügend starke Bilder gefunden werden.
Ergebnis
Die Broschüre gibt Einblick in deren Erfahrungen und Gedanken. Die Texte repräsentieren einen kleinen Teil der vielfältigen Geschichten und Perspektiven, die im Kollektiv vorhanden sind. So wie Licht und Schatten Räume unterschiedlich ausleuchten und ihnen Tiefe und Gestalt geben, sollen die Texte dazu beitragen, die Sans Papiers näher kennenzulernen.
Die Illustrationsreihe zeigt leere und stille Räume, flüchtige Lichtspiele. Fenster werfen Schatten, Lichtkanten zeichnen Linien auf Wände, als würde der Raum erzählen, von Anwesenheit, von Abwesenheit, von Möglichkeiten. Diese Räume spiegeln den Zustand der Unsicherheit wider. Sie stehen sinnbildlich für das Schweben zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, für das Leben in rechtlichen, gesellschaftlichen und emotionalen Zwischenräumen.

